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Wenn ein Artikel so anfängt, kann er nur grandios sein:

Der umstrittene Vorsitzende der FDP im Saarpfalzkreis, Stefan Krämer, will sich einem Vertrauensvotum des Kreisvorstandes stellen. Dem freien Unternehmensberater, der zugleich Kirchenbeauftragter seiner Partei ist, wird vorgeworfen, mit dem Landeschef der NPD Saar, Frank Franz, in privater Runde Monopoly gespielt zu haben.

Von William Robinson. Sehr empfehlenswert. Leider geht er aber in diesem kurzen Aufsatz nicht auf die Brüche innerhalb der globalen kapitalistischen Klasse ein, aber man kann auch nicht alles haben.

Allerdings nicht, wie man denken könnte, von allen Plätzen der Welt, sondern beim Fame-Lab-Finale.

FameLab ist für Forscher und Forscherinnen aus dem Bereich der Natur- und Technikwissenschaften, z.B. der Astronomie, Biologie, Biotechnologie, Chemie, Informatik, Ingenieurswissenschaften, Mathematik, Medizin, Pharmazie, Physik, Psychologie, Robotik, Statistik, Wirtschaftswissenschaften, etc.

Sozial- und Geisteswisschenschaften scheinen in diesem Marketingkonzept nicht vorzukommen. Überhaupt sollten einem diese PPP-Geschichten suspekt sein, reproduzieren sie doch die Ideologie von Standortwettbewerb und Leistungsträgertum. Auf der anderen Seite ist Wissenschaftskommunikation an sich ja nichts Schlechtes. Wer schon einmal Harald Lesch in Aktion erlebt hat, wird Derartiges zu schätzen wissen (auch wenn bei Abenteuer Wissen sein Potenzial arg vergeudet wird).

Change we can believe in.

(via fefe)

Meike Laaff hat heute in der Onlinetaz einen Artikel (in der Printausgabe habe ich ihn nicht gefunden) über die Gegenwart und Zukunft kreativer Medienarbeit veröffentlicht (oder besser: die taz hat einen Artikel von Meike Laaf…). Ich hoffe nur, sie wird die von ihr gepriesenen Arbeitsbedingungen nie ertragen müssen.

Zentrales Konstrukt ist „Die Marke Ich“. Auf ihr fußt das Geschäftsmodell der medialen Avantgarde – und darauf, dass ständig neue, besondere Ideen für Vertrieb, Verkauf, Produkte und „Selbstmarketing“ erfunden werden. Nicht nur der Inhalt soll jedes Mal neu sein, sondern auch das Format. Zur Ruhe können nur diejenigen kommen, die ihre Nische gefunden haben, wovon das Netz ja eine ganze Menge böte. Spätestens hier wird klar, dass die Autorin den Großteil des Publikums der Massenmedien – und damit auch den Großteil der Leistungsrollen – ausblendet. So analysiert Laaf auch nicht die sich verändernden Strukturen des Mediensystems, sondern beschreibt ausgewählte Einzelschicksale. Das ist fetzig und eine beliebte Möglichkeit zur Reduktion von Komplexität, wird aber dem Problem aber in keiner Weise gerecht. Mehr noch, der Artikel vertritt einen selbstausbeuterischen Individualismus, den man eigentlich mehr mit dem Marktfundamentalismus Angelsächsischer Prägung als dem deutschen Linksliberalismus verbindet. Die dazugehörige Perversion einer Sklaven produzierenden Herrenmoral wird gleich mitimpliziert, wenn den lahmen Nichtavantgardisten Jammerei unterstellt wird. Der Eindruck wird durch penetrante Marketingrhetorik und radikale Personalisierung des Problems (und seiner Lösung) komplettiert.

Gern würde ich mit der Einschätzung abschließen, dass der Artikel keinen Beitrag zur Debatte lieferte; Leider ist nicht auszuschließen, dass ihn Menschen ernst nehmen werden. Immerhin wurde er sechs mal geflattrt.

Happyness is Mandatory

Ich habe ja schon überlegt, ob ich aufhöre zu bloggen… und jetzt das:  Obama baut den Überwachungsstaat weiter aus.  Obama! So schlimm ist es also schon.

Neues Album von Angelika Express

Am 26.11. (also in einer Woche) kommt „Die Dunkle Seite der Macht“ in die Läden. Anhören kann man sich das Ganze schon jetzt, umsonst, legal und ohne Malware hier.

Mein erster Eindruck: Poppig. Zu poppig. Deutlich weniger rau als „Goldener Trash“. Aber auch einen Tick politischer („CDU und Du“, „wohin mit den Milliarden“).

Im Pressetext klingt das dann so:

Mit ihrem vierten und bisher facettenreichsten Studioalbum entführen uns die Kölner Anzugpunks mit hemdsärmeligem Charme nun noch tiefer in eine Welt zwischen alltäglichem Abgrund und trotziger Partystimmung.

Erwarten soll man

[…] erfrischend rauhe Songperlen mit Popappeal und Punk im Herzen

Dabei ist der Auftakt mit „Herdplatte an“ nicht unbedingt misslungen, reicht jedoch nicht an „Was wollt ihr alle?“ oder „Selbsthypnose“ heran. Mit „Herr Schlimm“ und „Ekelhaft glücklich“ konnte ich mich erst beim zweiten Hören anfreunden. Wohl, weil ich eine deutlich härtere Gangart erwartet hatte.

Schwere kognitive Dissonanzen verusacht hingegen „Lebenslänglich Beatles“: Hier kritisiert Pop Pop. Zur Erinnerung: „Wir haben Diskoterror und lärmendes Massaker mit dem Zuckerguss des ewigen Popsongs überzogen.“ In der Selbstbeschreibung auf Facebook steht dann auch unter Genre: Indie Pop, Punk, Wave, Trash, Deutschpop, Alternative. Also schon irgendwie Pop, aber dann auch wieder nicht, jedenfalls kein Wohlfühlpop. Wie bei den Beatles? Aha. Angelika Express  schwankt hier zwischen performativem Widerspruch und Unfug. Immerhin fetzt die Gitarre zwischendurch mal Ansatzweise so wie hier oder hier.

Manchmal, aber nur manchmal fühle ich mich gar an die Ärzte erinnert („CDU und Du“). Na vielleicht gibt es dann ja bald ein auch ein Unplugged-Album.

Eindeutige Lichtblicke, die ich bisher ausmachen kann: „Macht blau“, „Die Kanonen von Ehrenfeld“, „Ich klau die Zeit zurück“ (Hamburger Schule, anyone?), und, mich wahrscheinlich zu Unrecht an das erste Album erinnernd: „Schwein aus dem Weltraum“.

Insgesamt ist Tante Angies viertes Studioalbum weniger rau, weniger fetzig und, trotz anderslautender Selbstbeschreibung, weniger Facettenreich als der Vorgänger. Als eigenständiges Album?… kann ich jetzt noch nicht sagen. Die Fortsetzung ist allerdings bereits angekündigt: „Die Dunkle Seite der Macht“ ist nämlich als „Doppelalbum auf Raten angelegt“ – weitere Lieder werden mit der Zeit heruntergeladen werden können.

Ohne Worte

(via fefe)

In vier Tagen ist es also so weit: Spanien soll mit einem Generalstreik lahmgelegt werden. Aber statt diese Gelegenheit zu ergreifen und zu europaweiten Protesten und Aktionen aufzurufen, schnarchen die Deutschen Gewerkschaften vor sich hin. Der DGB ruft zur „Euro-Demo“, die in Brüssel stattfinden soll, und zu „nationalen Aktionen“ auf, ohne allerdings zu sagen, wo denn nun welche nationale Aktionen stattfinden sollen. Nach etwas Rumsuchen findet man dann auch nur einen Termin in Berlin. Auf der (recht unübersichtlichen) Internetseite ist das Thema ebenfalls kaum in Szene gesetzt. Bei Verdi konnte ich gar nichts finden. In Polen sieht es noch düsterer aus.

Gähnende Leere auch bei der SPD und bei der Linken muss man erst umstänlich suchen bis man das hier findet. Und die Sozialisitsiche Internationale? Schreibt über ihre tollen Kommittees.

Lange war die Bevölkerung nicht mehr so Protestfreudig und Krisengebeutelt. Trotzdem wird nichts passieren, weil die großen Organisationen in ganzer Linie versagen. Es scheint ein bisschen, als hätten die großen Gewerkschaften und Parteien einfach keine Lust etwas auf die Beine zu stellen.

*edit: Entschuldigt alle Satzbaufehler und eventuell fehlende Wörter… die WordPresseingabemaske ist nichts für mich.

Als ehemalige Mitschüler nach Bielefeld gingen, dachte ich: „Aha, da kann man also auch studieren.“ Vorher wusste ich über Bielefeld nur, dass es diesen unglaublich doofen Witz gibt, dass es Bielefeld nicht gäbe und das mit irgendwelchen Verschwörungen zusammenhinge. Da mich aber sonst keiner wollte, weil die Schule nicht so ganz ernst nahm, bin ich dann tatsächlich dort gelandet und musste es zum Glück nicht bereuen. Die Uni Bielefeld ist nämlich im Großen und Ganzen ziemlich cool, auch wenn die Fassade für Viele den Charme eines Ostblockwohngetthos versprüht. Und die Fakultät für Soziologie ist spitze. Das weiß man, wenn man sich eingehender mit Soziologie befasst. Dazu bedarf es keiner Rankings, die im Zweifel ja noch Unis für toll halten, an denen… aber lassen wir das.

Die Universität Bielefeld freut sich jedenfalls offiziell über ihr weltweit mittelmäßiges Abschneiden im Times Higher Education Ranking, was immerhin für Platz 1 in NRW reicht.

Im Hochschulranking 2010/2011 des renommierten britischen Magazins „Times Higher Education“ hat die Universität Bielefeld das beste Ergebnis aller Hochschulen Nordrhein-Westfalens erzielt. Sie ist in Deutschland die Nummer 8 und kommt auf Platz 67 in Europa. Im weltweiten Vergleich belegt die Universität Bielefeld Rang 173.

Steht da. Und Professor Dr. Rolf König, stellvertretender Rektor und Prorektor für Finanzangelegenheiten und Ressourcen der Universität Bielefeld ist ebenfalls begeistert:

„Dieses Ergebnis in einem der renommiertesten internationalen Universitätsrankings bestätigt den Anspruch der Universität Bielefeld, sowohl in der Forschung als auch in der Lehre zu den besten Universitäten in Deutschland zu gehören“

Dumm nur, dass dieses Ranking, wer hätte es gedacht, völliger Quatsch ist. Ich frage mich, warum so viele Wissenschaftler auf der Welt eine „Studie“ ernst nehmen, die wissenschaftliche Kriterien, etwa eine ausreichende Fallzahl, mit Füßen tritt. Ja, es gibt Kritik. Man kann sie finden, wenn man will. Die Uni Bielefeld und ihr Prorektor scheint das nicht zu interessieren, immerhin kann sie sich mit Hilfe des Rankings in positiver Weise selbst darstellen.

Genau hier liegt wahrscheinlich das Problem. Generell ist es ja so, dass die Produktion der Selbstbeschreibung einer Organisation deren Betrieb, den eigentlichen Zweck, behindert, also Zeit und Geld verschlingt, weshalb man durchaus verstehen kann, dass hier auf möglichst einfache Weise Kosten, also Komplexität reduziert wird. Noch dazu läuft diese Selbstbeschreibung über ein anderes Funktionssystem läuft, nämlich die Massenmedien (ausgenommen natürlich Organisationen der Massenmedien). Wahrheits“produktion“ und Aufmerksamkeits“produktion“ haben wenig miteinander zu tun. Dementsprechend wenig Ahnung haben die selbstverwalteten deutschen Unis von professioneller Selbstbeschreibung, es sei denn, es ist zufällig jemand zuständig, der zu dem Thema forscht. Das ist eigentlich auch kein Problem, es wird nur zu einem gemacht, wenn man so tut, als seien die Uni Unternehmen und würden miteinander um Kunden (Studis) konkurrieren. Wissenschaftler kennen sich in der Regel so gut in der Wissenschaftslandschaft aus und/oder haben so wenig Alternativen, dass sie auf Rankings pfeifen können. Ein (in der Tat) weltweit renommiertes Hochschulranking verspricht nun Aufmerksamkeit, Autorität und positive Resonanz. Da kann man mal eben ein paar Zeilen zusammenschreiben und den Prorektor frohlocken lassen. Passt, fertig, aus.

Aber eigentlich müssten sie es besser wissen.