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Posts Tagged ‘Copyright etc.’

Meike Laaff hat heute in der Onlinetaz einen Artikel (in der Printausgabe habe ich ihn nicht gefunden) über die Gegenwart und Zukunft kreativer Medienarbeit veröffentlicht (oder besser: die taz hat einen Artikel von Meike Laaf…). Ich hoffe nur, sie wird die von ihr gepriesenen Arbeitsbedingungen nie ertragen müssen.

Zentrales Konstrukt ist „Die Marke Ich“. Auf ihr fußt das Geschäftsmodell der medialen Avantgarde – und darauf, dass ständig neue, besondere Ideen für Vertrieb, Verkauf, Produkte und „Selbstmarketing“ erfunden werden. Nicht nur der Inhalt soll jedes Mal neu sein, sondern auch das Format. Zur Ruhe können nur diejenigen kommen, die ihre Nische gefunden haben, wovon das Netz ja eine ganze Menge böte. Spätestens hier wird klar, dass die Autorin den Großteil des Publikums der Massenmedien – und damit auch den Großteil der Leistungsrollen – ausblendet. So analysiert Laaf auch nicht die sich verändernden Strukturen des Mediensystems, sondern beschreibt ausgewählte Einzelschicksale. Das ist fetzig und eine beliebte Möglichkeit zur Reduktion von Komplexität, wird aber dem Problem aber in keiner Weise gerecht. Mehr noch, der Artikel vertritt einen selbstausbeuterischen Individualismus, den man eigentlich mehr mit dem Marktfundamentalismus Angelsächsischer Prägung als dem deutschen Linksliberalismus verbindet. Die dazugehörige Perversion einer Sklaven produzierenden Herrenmoral wird gleich mitimpliziert, wenn den lahmen Nichtavantgardisten Jammerei unterstellt wird. Der Eindruck wird durch penetrante Marketingrhetorik und radikale Personalisierung des Problems (und seiner Lösung) komplettiert.

Gern würde ich mit der Einschätzung abschließen, dass der Artikel keinen Beitrag zur Debatte lieferte; Leider ist nicht auszuschließen, dass ihn Menschen ernst nehmen werden. Immerhin wurde er sechs mal geflattrt.

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Man kennt das: Wenn es um die nationale Sicherheit geht, ist jedes Mittel Recht. Risiken werden ausgeblendet oder als vertretbar deklariert um die Gefahr zu bannen. Guantanamo, Überwachung, Schikane am Flughafen usw.

Was für politische Akteure die nationale Sicherheit, ist für die Wirtschaft das Recht auf Privateigentum – in letzter Zeit vor Allem in der Gestalt des Urheberrechts, des Copyrights oder irgendwelcher Derivate. Offenbar ist der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger im Kampf um neue Geldquellen bereit, die Pressefreiheit selbst aufs Spiel zu setzen. Dabei ging es um den Blog irights.info, der einen Entwurf für ein Gesetz zum Leistungsschutzrecht für Presseverleger online stellte. Und das soll nun das Urheberrecht der Autoren verletzt haben. Ja ne, is klar.

Der Fall ist nicht nur deswegen interessant, weil die Verleger sich von nun an immer widersprechen müssen, wenn sie Pressefreiheit fordern. Er markiert auch den Übergang des Urheberrechts von einer mehr oder weniger gut geregelten juristischen Norm, deren Aufgabe es ist, Erwartungssicherheit zu schaffen, zu einem leeren Signifikanten, dessen Funktion es widerum ist, Unsicherheit hervorzurufen. Hier wird versucht, den Begriff des Urheberrechts so weit zu fassen, dass er auf alles anwendbar wird, was irgendwann mal jemand irgendwo dokumentiert hat. Das ist juristisch natürlich unhaltbar und würde wie vieles, was im Namen der nationalen Sicherheit verabschiedet worden ist, von den Gerichten kassiert werden. Was aber bleibt, ist der Einschüchterungseffekt bei allen, denen Wissen, Nerven, Zeit oder Geld fehlt sich gegen solchen Schwachsinn zur Wehr zu setzen.

Man müsste sich eigentlich fragen, unter welchen Bedingungen diese Phänomene auftreten. Zunächst einmal ist es leicht einsehbar, dass die Formel es erlaubt Komplexität zu reduzieren, und zwar drastisch. Wer sich auf das Urheberrecht beruft, scheint ein scharfes Schwert zu schwingen und kann sich der Unterstützung seiner Kollegen sicher sein. Außerdem hatte man gerade nichts gegen iRights (siehe Link oben) in der Hand, die einzige Möglichkeit ist also den „Notstand“ auszurufen.

Ob diese Argumentationsformel sich wird durchsetzen können, bleibt abzuwarten. Es wird von ihrem Erfolg abhängen. Und der misst sich auch daran, was die Absender beabsichtigen: Wollen sie eine Äußerung unterdrücken, generelle Unsicherheit verbreiten oder gar den Staat auf ihre schlimme Situation aufmerksam machen? Die Formel „Urheberrechtsverletzung!“ scheint also hinreichend flexibel, dass wir erwarten können, sie in Zukunft bei ähnlichen Gelegenheiten wiederzusehen.

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Dass nicht die gesamte Musikindustrie komplett bescheuert ist, zeigte mir diese Weihnachten das Indie(?)label mergerecords. Zu meiner großen Überraschung lag der chiqen, neuen LP „Our Ill Wills“ ein kleiner, blassblauer Zettel bei, der mir die frohe Botschaft verkündete:

THE PURCHASE OF SHOUT OUT LOUDS – OUR ILL WILLS ENTITLES YOU TO A ONE-TIME DOWNLOAD OF THIS ALBUM FROM MERGERECORDS.COM.

Can you believe your good fortune? We hardly can.

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