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Ohne Worte

(via fefe)

In vier Tagen ist es also so weit: Spanien soll mit einem Generalstreik lahmgelegt werden. Aber statt diese Gelegenheit zu ergreifen und zu europaweiten Protesten und Aktionen aufzurufen, schnarchen die Deutschen Gewerkschaften vor sich hin. Der DGB ruft zur „Euro-Demo“, die in Brüssel stattfinden soll, und zu „nationalen Aktionen“ auf, ohne allerdings zu sagen, wo denn nun welche nationale Aktionen stattfinden sollen. Nach etwas Rumsuchen findet man dann auch nur einen Termin in Berlin. Auf der (recht unübersichtlichen) Internetseite ist das Thema ebenfalls kaum in Szene gesetzt. Bei Verdi konnte ich gar nichts finden. In Polen sieht es noch düsterer aus.

Gähnende Leere auch bei der SPD und bei der Linken muss man erst umstänlich suchen bis man das hier findet. Und die Sozialisitsiche Internationale? Schreibt über ihre tollen Kommittees.

Lange war die Bevölkerung nicht mehr so Protestfreudig und Krisengebeutelt. Trotzdem wird nichts passieren, weil die großen Organisationen in ganzer Linie versagen. Es scheint ein bisschen, als hätten die großen Gewerkschaften und Parteien einfach keine Lust etwas auf die Beine zu stellen.

*edit: Entschuldigt alle Satzbaufehler und eventuell fehlende Wörter… die WordPresseingabemaske ist nichts für mich.

Als ehemalige Mitschüler nach Bielefeld gingen, dachte ich: „Aha, da kann man also auch studieren.“ Vorher wusste ich über Bielefeld nur, dass es diesen unglaublich doofen Witz gibt, dass es Bielefeld nicht gäbe und das mit irgendwelchen Verschwörungen zusammenhinge. Da mich aber sonst keiner wollte, weil die Schule nicht so ganz ernst nahm, bin ich dann tatsächlich dort gelandet und musste es zum Glück nicht bereuen. Die Uni Bielefeld ist nämlich im Großen und Ganzen ziemlich cool, auch wenn die Fassade für Viele den Charme eines Ostblockwohngetthos versprüht. Und die Fakultät für Soziologie ist spitze. Das weiß man, wenn man sich eingehender mit Soziologie befasst. Dazu bedarf es keiner Rankings, die im Zweifel ja noch Unis für toll halten, an denen… aber lassen wir das.

Die Universität Bielefeld freut sich jedenfalls offiziell über ihr weltweit mittelmäßiges Abschneiden im Times Higher Education Ranking, was immerhin für Platz 1 in NRW reicht.

Im Hochschulranking 2010/2011 des renommierten britischen Magazins „Times Higher Education“ hat die Universität Bielefeld das beste Ergebnis aller Hochschulen Nordrhein-Westfalens erzielt. Sie ist in Deutschland die Nummer 8 und kommt auf Platz 67 in Europa. Im weltweiten Vergleich belegt die Universität Bielefeld Rang 173.

Steht da. Und Professor Dr. Rolf König, stellvertretender Rektor und Prorektor für Finanzangelegenheiten und Ressourcen der Universität Bielefeld ist ebenfalls begeistert:

„Dieses Ergebnis in einem der renommiertesten internationalen Universitätsrankings bestätigt den Anspruch der Universität Bielefeld, sowohl in der Forschung als auch in der Lehre zu den besten Universitäten in Deutschland zu gehören“

Dumm nur, dass dieses Ranking, wer hätte es gedacht, völliger Quatsch ist. Ich frage mich, warum so viele Wissenschaftler auf der Welt eine „Studie“ ernst nehmen, die wissenschaftliche Kriterien, etwa eine ausreichende Fallzahl, mit Füßen tritt. Ja, es gibt Kritik. Man kann sie finden, wenn man will. Die Uni Bielefeld und ihr Prorektor scheint das nicht zu interessieren, immerhin kann sie sich mit Hilfe des Rankings in positiver Weise selbst darstellen.

Genau hier liegt wahrscheinlich das Problem. Generell ist es ja so, dass die Produktion der Selbstbeschreibung einer Organisation deren Betrieb, den eigentlichen Zweck, behindert, also Zeit und Geld verschlingt, weshalb man durchaus verstehen kann, dass hier auf möglichst einfache Weise Kosten, also Komplexität reduziert wird. Noch dazu läuft diese Selbstbeschreibung über ein anderes Funktionssystem läuft, nämlich die Massenmedien (ausgenommen natürlich Organisationen der Massenmedien). Wahrheits“produktion“ und Aufmerksamkeits“produktion“ haben wenig miteinander zu tun. Dementsprechend wenig Ahnung haben die selbstverwalteten deutschen Unis von professioneller Selbstbeschreibung, es sei denn, es ist zufällig jemand zuständig, der zu dem Thema forscht. Das ist eigentlich auch kein Problem, es wird nur zu einem gemacht, wenn man so tut, als seien die Uni Unternehmen und würden miteinander um Kunden (Studis) konkurrieren. Wissenschaftler kennen sich in der Regel so gut in der Wissenschaftslandschaft aus und/oder haben so wenig Alternativen, dass sie auf Rankings pfeifen können. Ein (in der Tat) weltweit renommiertes Hochschulranking verspricht nun Aufmerksamkeit, Autorität und positive Resonanz. Da kann man mal eben ein paar Zeilen zusammenschreiben und den Prorektor frohlocken lassen. Passt, fertig, aus.

Aber eigentlich müssten sie es besser wissen.

Umgekehrte Korruption

Die FDP spielt hier die kleinste Rolle. Die ist eh immer gekauft.

Sagte gerade Reinhard Bütikofer zur taz. Damit hat er sicher nicht ganz unrecht. Aber ich glaube ja, dass sich die Lage inzwischen gründlich gewendet hat – zugunsten der Wirtschaft. Nur so lässt sich erklären, dass die Spitzen von Union und FDP ihren Sparkurs gegen Arme und Klientelpolitik für die großen Unternehmen durchhalten: Die wollen sich schon mal beliebt machen, für später, denn wiedergewählt werden sie alle nicht. Dafür gibt’s ab 2013 Beraterjobs mit dreifachem Gehalt.

Jaja, Spenden sind wichtig und so, aber die kann man sich nunmal nicht in die eigene Tasche stecken. Was am Ende der politischen Karriere (die für jeden Politiker irgendwann einmal kommt) zählt, sind die Entscheidungen, die man getroffen hat. Für den zukünftigen Arbeitgeber, versteht sich, nicht für die Wähler, die einem dann ja egal sein können.

Das macht die Unterscheidung zwischen Korruption im juritischen oder soziologischen Sinn und einfacher Koinzidenz nicht unbedingt einfacher. Hat zum Beispiel Joschka Fischer geplant für Siemens zu arbeiten? Hat er Entscheidungen so beeinflusst, dass sie zugunsten von Siemens, der Branche, der Großindustrie im Allgemeinen ausfallen? Nein? Dann schon eher Schröder und Nabucco?

Eine andere Frage, die sich da auftut, ist natürlich: Warum machen deren Parteien das mit? Selbst, wenn die FDP ein Karriereverein wäre, ginge es doch jetzt mit vielen Karrieren bergab. Merkel wird in drei Jahren einen Trümmerhaufen hinterlassen, wenn sie die CDU-Spitze verlässt und Rot-Grün mit satter Mehrheit 16 Jahre werden durchregieren können. Ich meine, die Leute sind ja nicht doof. Und sie konnten ja bei der SPD sehen, wie es einer Partei ergeht, die zu viel gegen die Bevölkerung entscheidet.

Ok, immerhin noch 30%. Das sichert aber weder in Baden-Württemberg, noch in Bayern die Mehrheit. Doch jedem aufrechten Konservativen muss doch die Galle platzen, wenn er oder sie sich diese Regierung anguckt (das ist immer die Voraussetzung: hinschauen). Oder Rüttgers in NRW. Nicht die unzufriedenen Rechtsausleger innerhalb der Union, von denen ja schon vor Sarrazin immer wieder die Rede war, sondern die aufrechten christlich-sozialen und christslich-liberalen werden der Partei zum Problem werden. Die, die Werte wie Aufrichtigkeit und Bescheidenheit und ihre christliche Sozialethik hochhalten. Und die, die einfach keine Lust darauf haben, ihren Kindern einen schlecht konservierten Planeten zu hinterlassen (entschuldigt den Kalauer).

Beide „bürgerlichen“ Parteien werden sich in spätestens drei Jahren neu erfinden müssen, oder auf ein Wunder hoffen. Denn so viel Sand kann man niemandem in die Augen streuen, dass dieser Rückstand noch aufzuholen wäre. Armin Laschet wäre ein Kandidat für so eine Neuerfindung gewesen. Er hat das Thema Integration erfolgreich und vernünftig bearbeitet, war Integrationsminister. Und dann das. Und das. Macht vielleicht gar nichts. Ist trotzdem sehr ernüchternd. Sollte sie Mitte tatsächlich grüner und roter werden, wo sie bis zur letzten Bundestagswahl immer gelber zu strahlen schien, haben Union und FDP jedenfalls ein Problem mit ihrem derzeitigen Spitzenpersonal. Man könnte sich natürlich auch zersplittern, was ja in vielen europäischen Ländern längst geschehen ist (Beispiel Schweden, wo morgen gewählt wird).

Meine Empfehlung für die Union: Weniger Arroganz der Macht, Rückkehr zu gelebten traditionellen Werten bei gleichzeitiger Toleranz und Ermöglichung alternativer Lebensstile, keine Klientelpolitik, mehr Basisdemokratie, Aufbau eines pan-europäischen Nationalismus, der ausdrücklich alle europäischen Staaten und Religionen (auch die Türkei! auch den Atheismus!) einschließt.

Meine Empfehlung für die FDP: Oh, das ist schwierig. Vielleicht einfach weiter so, und hoffen, dass sie die 5%-Hürde nehmen. Sie sollten nur aufpassen, dass ihnen die PIRATEN nicht den Schneid abkaufen, wenn ein humanistischer Liberalismus den Leuten irgendwann attraktiver erscheint.

Katholische Geschichtsschreibung

Na, da hat der Ratzinger wieder mal was losgelassen:

Even in our own lifetimes we can recall how Britain and her leaders stood against a Nazi tyranny that wished to eradicate God from society and denied our common humanity to many, especially the Jews, who were thought unfit to live.

As we reflect on the sobering lessons of atheist extremism of the 20th century, let us never forget how the exclusion of God, religion and virtue from public life leads ultimately to a truncated vision of man and of society and thus a reductive vision of a person and his destiny.

(Quelle: BBC)

Da braucht man eigentlich gar nicht mehr viel zu schreiben, das steht schon für sich. Den Faschismus, bzw. Nationalsozialismus als atheistischen Extremismus zu bezeichnen, ist wirklich der Gipfel der Unverfrorenheit, selbst, wenn Hitler (und andere) wirklich nicht religiös gewesen wären. Und selbst, wenn Hitler oder Mao oder Stalin wirklich nicht im Namen von Nation, Rasse, oder Sozialismus über die Welt hergefallen wären, hat das immer noch nichts mit dem Atheismus „an sich“ zu tun.

Diese schlimmen Diffamierungsversuche sind allerdings mehr als nur Ausdruck von Ignoranz und Verachtung gegenüber Menschen ohne Religion.  Sie sind auch Teil des Abwehrkampfes der Katholischen Kirche gegen ihren eigenen Niedergang. Da sie sich seit einiger Zeit auf die Toleranz anderer Religionen, selbst des Islams und Judentums, festgelegt hat, kann sie nur noch über den Atheismus so richtig schön herfallen. Sie versucht sich damit auch gegen die Abwanderung in eben jene Richtung zu immunisieren, was ihr zumindest da gelingen könnte, wo ihre Anhänger diesen Hasspredigten folgen und starke soziale Kontrolle auf ihre Umwelt (insbesondere ihre Kinder) ausüben. Anderswo wird sie nur noch mehr Sturm in Form von Austritten ernten.

(via fefe)

Die Presse und der Sarrazin

Heute kamen gleich zwei Beiträge online, die ich für sehr lesenswert halte, weil sie die laufende Debatte medienkritisch reflektieren (und das sehr viel eingehender als Die Zeit, über die ich mich neulich so aufgeregt habe).

Zum einen gibt es auf Telepolis ein Interview mit Eren Güvercin, der die Rolle der BILD kommentiert, die Thilo Sarrazin seiner Meinung nach als Sockenpuppe Handpuppe gebraucht um ihre eigene Weltanschauung zu verbreiten. Ich weiß jetzt zwar nicht, woher er seine Informationen hat, aber so ganz unplausibel scheint mir diese These nicht zu sein.

Während BILD also reine Boshaftigkeit, man könnte auch sagen: politische Presse im Stil des 19. Jahrhunderts, unterstellt wird, geht Stefan Niggemeier mit dem Spiegel ins Gericht, der den Sarrazin’schen (und anderen) Unfug erst hochputscht und gleichzeitig seine eigene Rolle in der Produktion von Nachrichten leugnet.

Diese Woche stand mal wieder ein Artikel auf Seite 1 Der  Zeit (der Die Zeit?), bei dem ich mich wunderte, was das jetzt überhaupt soll. Susanne Gaschke beklagt sich dort unter dem Titel „Politiker, hört die Signale“ über den Zustand der deutschen Politik, die eine pseudowissenschaftliche Einheitsmeinung als Konsens behandelt, sodass man nicht einmal mehr in der CDU-Frauengruppe ordentlich konservativ sein dürfe. Kitas, Windräder, Abschaffung des Dreigliedrigen Schulsystems, alles richtig und wahr und deshalb politisch unangreifbar. Dieser Fortschrittskonsens verschleiere die sozialen Kosten dieser Neuerungen: gefühlte soziale Kälte. Abgesehen davon, dass das kompletter Unfug ist und die Autorin keinerlei Beispiele oder Belege für das total Abdriften der Union in die Sozialdemokratie bringt – wieso muss ich so einen reaktionären Quatsch in Der Zeit lesen? Schon wieder?

So soll denn auch die Beliebtheit von Thilo Sarrazins „Thesen“ durch diese Entwicklung erklärt werden. Als ob Rassismus etwas mit dem Mangel an reaktionären Politikern oder faktischen Reibungen zwischen Religionen oder „Kulturen“ oder „Rassen“ zu tun hätte. Oder warum ist die NPD im Osten so stark, wo es kaum Einwanderer gibt, die mit ihrer genetischen Unterlegenheit die arischen autochthonen Deutschen belästigen könnten?

Zwischen dieser Kausalitätskonstruktion findet Gaschke dann auch noch die Muße zur Medienschelte, der einzige nicht völlig misslungene Teil des Artikels. Quoten- und Auflagendruck, Herdentrieb, Eventjournalismus und die Fixierung die „steilsten Thesen“ würden dazu führen, dass kleine, langsame, aber wichtige Veränderungen (zum Beispiel bei der Integration) nicht mehr wahrgenommen würden. Nichts Neues also, aber immerhin. Man könnte sicher noch mehr finden, etwa den Hang, die rassistsiche und unwahre Propaganda eines Thilo Sarrazin als „umstrittene Thesen“ darzustellen. Oder die krasse Diskrepanz in der Wahrnehmung „islamischer“ und „christlicher“ Morde an Angehörigen. Aber dafür war dann auch kein Platz mehr auf dem Papier.