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Posts Tagged ‘Thilo Sarrazin’

Heute kamen gleich zwei Beiträge online, die ich für sehr lesenswert halte, weil sie die laufende Debatte medienkritisch reflektieren (und das sehr viel eingehender als Die Zeit, über die ich mich neulich so aufgeregt habe).

Zum einen gibt es auf Telepolis ein Interview mit Eren Güvercin, der die Rolle der BILD kommentiert, die Thilo Sarrazin seiner Meinung nach als Sockenpuppe Handpuppe gebraucht um ihre eigene Weltanschauung zu verbreiten. Ich weiß jetzt zwar nicht, woher er seine Informationen hat, aber so ganz unplausibel scheint mir diese These nicht zu sein.

Während BILD also reine Boshaftigkeit, man könnte auch sagen: politische Presse im Stil des 19. Jahrhunderts, unterstellt wird, geht Stefan Niggemeier mit dem Spiegel ins Gericht, der den Sarrazin’schen (und anderen) Unfug erst hochputscht und gleichzeitig seine eigene Rolle in der Produktion von Nachrichten leugnet.

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Diese Woche stand mal wieder ein Artikel auf Seite 1 Der  Zeit (der Die Zeit?), bei dem ich mich wunderte, was das jetzt überhaupt soll. Susanne Gaschke beklagt sich dort unter dem Titel „Politiker, hört die Signale“ über den Zustand der deutschen Politik, die eine pseudowissenschaftliche Einheitsmeinung als Konsens behandelt, sodass man nicht einmal mehr in der CDU-Frauengruppe ordentlich konservativ sein dürfe. Kitas, Windräder, Abschaffung des Dreigliedrigen Schulsystems, alles richtig und wahr und deshalb politisch unangreifbar. Dieser Fortschrittskonsens verschleiere die sozialen Kosten dieser Neuerungen: gefühlte soziale Kälte. Abgesehen davon, dass das kompletter Unfug ist und die Autorin keinerlei Beispiele oder Belege für das total Abdriften der Union in die Sozialdemokratie bringt – wieso muss ich so einen reaktionären Quatsch in Der Zeit lesen? Schon wieder?

So soll denn auch die Beliebtheit von Thilo Sarrazins „Thesen“ durch diese Entwicklung erklärt werden. Als ob Rassismus etwas mit dem Mangel an reaktionären Politikern oder faktischen Reibungen zwischen Religionen oder „Kulturen“ oder „Rassen“ zu tun hätte. Oder warum ist die NPD im Osten so stark, wo es kaum Einwanderer gibt, die mit ihrer genetischen Unterlegenheit die arischen autochthonen Deutschen belästigen könnten?

Zwischen dieser Kausalitätskonstruktion findet Gaschke dann auch noch die Muße zur Medienschelte, der einzige nicht völlig misslungene Teil des Artikels. Quoten- und Auflagendruck, Herdentrieb, Eventjournalismus und die Fixierung die „steilsten Thesen“ würden dazu führen, dass kleine, langsame, aber wichtige Veränderungen (zum Beispiel bei der Integration) nicht mehr wahrgenommen würden. Nichts Neues also, aber immerhin. Man könnte sicher noch mehr finden, etwa den Hang, die rassistsiche und unwahre Propaganda eines Thilo Sarrazin als „umstrittene Thesen“ darzustellen. Oder die krasse Diskrepanz in der Wahrnehmung „islamischer“ und „christlicher“ Morde an Angehörigen. Aber dafür war dann auch kein Platz mehr auf dem Papier.

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Das ärgert mich.

Was mich gerade auch sehr ärgert ist, dass die etablierten Medien allesamt ausschließlich Agenturen als Quellen zitieren und nirgendwo ein Link zu diesem verdammten Schiedsgerichtsurteil zu finden ist, auch nicht auf der Seite des berliner SPD-Landesverbands. Und dass offenbar einige einfach von der AFP abgeschrieben haben.

Andere sind da besser informiert als ich. Deshalb möchte ich allen das Interview der taz mit Hajo Funke ans Herz legen, der darlegt, dass die Schiedskommssion (heißt das Ding jetzt Kommission oder Gericht?) keine Ahnung von Rassismus hat oder nicht haben will. Auch gut: Die Kommentare von Blogger (und bald Ex-SPD-Mitglied?) Sebastian Finsel.

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