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Archive for the ‘Zahlen oder nicht Zahlen?’ Category

Meike Laaff hat heute in der Onlinetaz einen Artikel (in der Printausgabe habe ich ihn nicht gefunden) über die Gegenwart und Zukunft kreativer Medienarbeit veröffentlicht (oder besser: die taz hat einen Artikel von Meike Laaf…). Ich hoffe nur, sie wird die von ihr gepriesenen Arbeitsbedingungen nie ertragen müssen.

Zentrales Konstrukt ist „Die Marke Ich“. Auf ihr fußt das Geschäftsmodell der medialen Avantgarde – und darauf, dass ständig neue, besondere Ideen für Vertrieb, Verkauf, Produkte und „Selbstmarketing“ erfunden werden. Nicht nur der Inhalt soll jedes Mal neu sein, sondern auch das Format. Zur Ruhe können nur diejenigen kommen, die ihre Nische gefunden haben, wovon das Netz ja eine ganze Menge böte. Spätestens hier wird klar, dass die Autorin den Großteil des Publikums der Massenmedien – und damit auch den Großteil der Leistungsrollen – ausblendet. So analysiert Laaf auch nicht die sich verändernden Strukturen des Mediensystems, sondern beschreibt ausgewählte Einzelschicksale. Das ist fetzig und eine beliebte Möglichkeit zur Reduktion von Komplexität, wird aber dem Problem aber in keiner Weise gerecht. Mehr noch, der Artikel vertritt einen selbstausbeuterischen Individualismus, den man eigentlich mehr mit dem Marktfundamentalismus Angelsächsischer Prägung als dem deutschen Linksliberalismus verbindet. Die dazugehörige Perversion einer Sklaven produzierenden Herrenmoral wird gleich mitimpliziert, wenn den lahmen Nichtavantgardisten Jammerei unterstellt wird. Der Eindruck wird durch penetrante Marketingrhetorik und radikale Personalisierung des Problems (und seiner Lösung) komplettiert.

Gern würde ich mit der Einschätzung abschließen, dass der Artikel keinen Beitrag zur Debatte lieferte; Leider ist nicht auszuschließen, dass ihn Menschen ernst nehmen werden. Immerhin wurde er sechs mal geflattrt.

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In vier Tagen ist es also so weit: Spanien soll mit einem Generalstreik lahmgelegt werden. Aber statt diese Gelegenheit zu ergreifen und zu europaweiten Protesten und Aktionen aufzurufen, schnarchen die Deutschen Gewerkschaften vor sich hin. Der DGB ruft zur „Euro-Demo“, die in Brüssel stattfinden soll, und zu „nationalen Aktionen“ auf, ohne allerdings zu sagen, wo denn nun welche nationale Aktionen stattfinden sollen. Nach etwas Rumsuchen findet man dann auch nur einen Termin in Berlin. Auf der (recht unübersichtlichen) Internetseite ist das Thema ebenfalls kaum in Szene gesetzt. Bei Verdi konnte ich gar nichts finden. In Polen sieht es noch düsterer aus.

Gähnende Leere auch bei der SPD und bei der Linken muss man erst umstänlich suchen bis man das hier findet. Und die Sozialisitsiche Internationale? Schreibt über ihre tollen Kommittees.

Lange war die Bevölkerung nicht mehr so Protestfreudig und Krisengebeutelt. Trotzdem wird nichts passieren, weil die großen Organisationen in ganzer Linie versagen. Es scheint ein bisschen, als hätten die großen Gewerkschaften und Parteien einfach keine Lust etwas auf die Beine zu stellen.

*edit: Entschuldigt alle Satzbaufehler und eventuell fehlende Wörter… die WordPresseingabemaske ist nichts für mich.

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Man kennt das: Wenn es um die nationale Sicherheit geht, ist jedes Mittel Recht. Risiken werden ausgeblendet oder als vertretbar deklariert um die Gefahr zu bannen. Guantanamo, Überwachung, Schikane am Flughafen usw.

Was für politische Akteure die nationale Sicherheit, ist für die Wirtschaft das Recht auf Privateigentum – in letzter Zeit vor Allem in der Gestalt des Urheberrechts, des Copyrights oder irgendwelcher Derivate. Offenbar ist der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger im Kampf um neue Geldquellen bereit, die Pressefreiheit selbst aufs Spiel zu setzen. Dabei ging es um den Blog irights.info, der einen Entwurf für ein Gesetz zum Leistungsschutzrecht für Presseverleger online stellte. Und das soll nun das Urheberrecht der Autoren verletzt haben. Ja ne, is klar.

Der Fall ist nicht nur deswegen interessant, weil die Verleger sich von nun an immer widersprechen müssen, wenn sie Pressefreiheit fordern. Er markiert auch den Übergang des Urheberrechts von einer mehr oder weniger gut geregelten juristischen Norm, deren Aufgabe es ist, Erwartungssicherheit zu schaffen, zu einem leeren Signifikanten, dessen Funktion es widerum ist, Unsicherheit hervorzurufen. Hier wird versucht, den Begriff des Urheberrechts so weit zu fassen, dass er auf alles anwendbar wird, was irgendwann mal jemand irgendwo dokumentiert hat. Das ist juristisch natürlich unhaltbar und würde wie vieles, was im Namen der nationalen Sicherheit verabschiedet worden ist, von den Gerichten kassiert werden. Was aber bleibt, ist der Einschüchterungseffekt bei allen, denen Wissen, Nerven, Zeit oder Geld fehlt sich gegen solchen Schwachsinn zur Wehr zu setzen.

Man müsste sich eigentlich fragen, unter welchen Bedingungen diese Phänomene auftreten. Zunächst einmal ist es leicht einsehbar, dass die Formel es erlaubt Komplexität zu reduzieren, und zwar drastisch. Wer sich auf das Urheberrecht beruft, scheint ein scharfes Schwert zu schwingen und kann sich der Unterstützung seiner Kollegen sicher sein. Außerdem hatte man gerade nichts gegen iRights (siehe Link oben) in der Hand, die einzige Möglichkeit ist also den „Notstand“ auszurufen.

Ob diese Argumentationsformel sich wird durchsetzen können, bleibt abzuwarten. Es wird von ihrem Erfolg abhängen. Und der misst sich auch daran, was die Absender beabsichtigen: Wollen sie eine Äußerung unterdrücken, generelle Unsicherheit verbreiten oder gar den Staat auf ihre schlimme Situation aufmerksam machen? Die Formel „Urheberrechtsverletzung!“ scheint also hinreichend flexibel, dass wir erwarten können, sie in Zukunft bei ähnlichen Gelegenheiten wiederzusehen.

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Bravo, Frau Kanzlerin!

Aber ne, für die griechischen Superrenten wollen wir doch nicht zahlen…

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Die Zeit hat diese Woche einen Artikel über die britische Supermarktkette Tesco gebracht, der nun online einzusehen ist.

Zwei Aspekte werden dabei in den Fokus gerückt: Die Auswirkungen der Konzentrationsprozesse auf den lokalen Einzelhande und das Stadtbild und die enorme Ausdehnung des Konzerns auf alle Lebensbereiche. Tesco gäbe es nämlich inzwischen alles, von Billigfras bis Biokost, von Kleidung bis zum Girokonto. Und das alles vernetzt und überwacht durch ein Bonussystem mit Kundenkarte, auf der massig persönliche Daten gespeichert sein – mit mehr Kunden als die deutsche Sektion von Pay Pal! Die Briten nähmen das, ebenso wie die totale Überwachung durch Videokameras, Gendatenbank uvm., so einfach hin, weil ihnen die negativen Erfahrungen mit Diktaturen fehlen würden.

Wenn die Briten wirklich so naiv sind, dann haben sie ihren Orwell nicht richtig gelesen.

Tesco passt sich auch geschickt an seine Umgebung an: In ärmeren Stadtteilen mimt es den LIDL, in reicheren das Feinkostfachgeschäft. Und so kommt es, dass sich der Konzern in fast allen Ecken der Insel breit gemacht hat. Die Kette fördert damit die Zerstörung der Innenstädte und des lokalen Einzelhandels. Das kann man beklagen. Auf der anderen Seite wird ja niemand gezwungen bei Tesco einzukaufen – oder etwa doch?

Wenn man sich mit dem Thema auseinandersetzt, bekommt man schnell Probleme mit der Güterabwägung. Das geht soweit, dass man, nicht völlig ohne Grund, den Entscheidungen von Konzernen wie Tesco mehr Legitimität zubilligt als der Politik, da die Verschiebung des Konsums gewissermaßen basisdemokratisch vonstatten, während die Politik nur repräsentiere (wenn überhaupt!). Wie gesagt, es wird ja niemand gezwungen. Außer denen, die nicht bei solchen Ketten kaufen wollen und denen langsam aber sicher die Möglichkeiten ausgehen. Organisierter Besitz von Produktionsmitteln bedeutet hier Veringerung der Wahlmöglichkeiten, an dessen Niedergang eben diese Organisationen weiter wachsen. Wer hat, dem wird gegeben.

Was gern übersehen wird: Der Matthäuseffekt ist ein doppelter. Den großen Konzernen wurde nämlich bereits gegeben. Sie haben allein durch ihre Größe einen Vorteil gegenüber kleinen. Das ist ungefähr so wie mit reichen und armen Kindern. Die einen haben von Anfang an die besseren Voraussetzungen. Man kann versuchen, diese Ungerechtigkeit zumindest im Bildungssystem ein bisschen auszugleichen. Es gibt, anders als bei der Bildung der Kinder, meines Wissens nach so gut wie keine staatliche Politik, die diese Chancenungerechtigkeit zwischen großen Konzernen (i.d.R. Kapitalgesellschaften) und kleinen Einzelhändlern. Das Bauplanungsrecht ist wohl nicht darauf ausgelegt (nicht, dass ich groß Ahnung davon hätte), jedenfall scheint niemand etwas gegen die Verkettung der Innenstädte tun zu wollen . Einzig staatliche Entwicklungsbanken können gezielt kleine und mittelständische Unternehmen Geld zur Verfügung stellen – aber es ist immer noch etwas anderes, als Privatperson einen Kredit aufzunehmen, als als Manager sein mit mehr oder weniger umfangreichem Eigenkapital ausgestatteten Unternehmen zu verschulden. Weniger hat, muss mehr wagen, um zu bekommen. Die Asymmetrie ist und bleibt enorm.

Und: Eine solche Entwicklung ist kaum rückgängig zu machen.

Letztlich leidet auch nicht nur die Vielfalt: Die großen Organisationen bauen gewaltige, zum Teil planwirtschaftliche, Hirarchien auf, in denen selbst das mittlere Management unter die Räder kommen kann. An selbstbestimmtes, oder gar schöpferisches Unternehmertum ist da nicht mehr zu denken. Solche Systeme gibt es auch in Deutschland, man denke nur an LIDL oder die planwirtschaftlichen Vorgaben im Bankensektor. Am Ende hat man die Wahl zwischen Bauplanung und Produktivitätszielen. Welch Ironie!

An der Vielzahl von Schlagworten kann man sehen, wie komplex dieses Thema ist. Und an der relativen Kürze dieses Textes seine Unzulänglichkeit. Bis sich das Bild zusammenfügt, empfehle ich etwas musikalische Lyrik:

Some say you’re troubled boy
Just because you like to destroy
All the things that bring the idiots joy
Well, what’s wrong with a little destruction?

And the Kunst won’t talk to you
Because you kissed StRollox adieu
Because you robbed a supermarket or two
Well, who gives a damn about the prophets of Tesco?

Franz Ferdinand – The Fallen

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Mehr!

Jutta Allmendinger entgegnet diesen ungaren Ausführungen zur Studierendenquote mit deutlich weniger, aber besseren Argumenten. Trotzdem bleibt sie im ökonomistischen Denken des Mainstreams verhangen.

So bräuchten Hartz4-Empfänger Leute, die sie ausbildeten, weil besser ausgebildete bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt hätten. Das Bildungsniveau müsste aus diesem Grund auch generell angehoben werden – immerhin lägen wir im OECD-Vergleich bei den Studienanfängern deutlich unter dem Durchschnitt (hier wird tatsächlich mal eine Studie zitiert). Auch das Demographieargument erscheint schlüssig: Wenn es weniger junge Menschen geben wird, müsse ein größerer Teil von ihnen studieren um die jetztige Zahl an Akademikern zu halten.

Zukunftsfähig solle das System gemacht werden, durch Grundbildung für ein lebenslanges Lernen, leichteren Hochschulzugang für Nichtabiturienten, Überarbeitung der unzähligen Ausbildungsberufsbilder und bessere Studienbedingungen. Akademische Bildung ist ihr da aber zu abstrakt. Ihr Bildungsbegriff ist ein anderer, wenn es denn überhaupt einer ist:

Eine hohe Bildung bedeutet, theoretisches Wissen mit Erfahrung zu verknüpfen und gleichzeitig soziale Kompetenzen und Gemeinsinn zu entwickeln.

Inzwischen fällt es ziemlich schwer die Prämissen ihrer Thesen zu identifizieren. Brauchen wir die Studis für die Wirtschaft oder gibt es da noch etwas anderes? Ist Bildung etwa ein Gut an sich? Zeugt ihr Bildungsbegriff von Empathie gegenüber jenen, die mehr wollen als nur einen guten „Job“, oder vielmehr davon, dass sie nicht weiß, wie sie diesen (für sie) leeren Signifikanten füllen soll?

Doch der Leser muss hier nicht verzagen, gleich wird sie deutlicher: Der Bachelor habe das Potenzial anwendungsbezogen auszubilden, lässt sie schreiben.  Dazu sollen Studierende Praktika absolvieren (was wir ohnehin shcon alle tun). Außerdem gehörten „Berufspraktiker in die Hochschulen und mehr Hochschullehrer in die Betriebe“. Man könnte diese Stelle leicht übergehen oder mit einem kurzen Kommentar zur Funktion von Bildung und Studium abtun, aber der soziologisch geschulte Blick sollte sehen, was hier eigentlich gefordert wird: nämlich eine Rollenverflechtung von Wissenschaft, Erziehung und Wirtschaft (und wenn man etwas marxistisch angehaucht ist, mit dem Zusatz: zur Aufrechterhaltung der bestehenden Produktionsverhältnisse).

Die Probleme einer zu großen Nähe von Theorie und Gegenstand zeigten sich doch gerade erst in schrecklicher Weise im Versagen der Wirtschaftswissenschaft als Reflexionstheorie und Ausbildungsstudium der Wirtschaft. Als Soziologin sollte Allmendinger das eigentlich aufgefallen sein. Man kann diese Gefahr kaum überbetonen. In der Medizin hat die Rollenverflechtung (und damit im soziologischen Sinn die Korruption des Wissenschaftssystems) bereits Ausmaße angenommen, die unser aller Gesundheit zum Spielball der Pharmaindustrie macht, selbst wenn nur die Hälfte von dem wahr ist, was in den verlinkten Artikeln steht.

Wer also das Studium näher an die Praxis rücken will, muss höllisch aufpassen, was für Geister sie da ruft.

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Über die von Allmendinger der Hochschul(aus-)bildung zugedachte Funktion lässt sie uns dann auch nicht weiter im Unklaren:

Technische Innovationen, zentral für die Wirtschaftsdynamik, sind von Hochschulabsolventen zu erwarten, nicht aus der beruflichen Bildung, so wichtig diese auch ist. In den Spitzentechnologien liegt Deutschlands Zukunft.

[…] Wir reden über einen Standort Deutschland, der sich ein differenziertes, durchlässiges Bildungssystem leisten sollte.

Hochschule soll also technische Innovationen produzieren um die Wirtschaftsdynamik des (Wettbewerbs-)Standortes Deutschland in Zukunft zu sichern. Anders herum: Von wem keine technischen Innovationen zu erwarten sind, der gehört auf den unteren Teil der Prioritätenliste. Arme Geistes- und Sozialwissenschaftler (arme Frau Allmendinger!). Wer ein Studium aus anderen Gründen außer dem persönlichen oder nationalen wirtschaftlichen Vorteil aufnimmt, macht etwas falsch. Wer in Wissenschafts- und Hochschulpolitik etwas anderes sieht als eine „Investition in die Zukunft“, ist hoffnungslos romantisch.

Auch mit Allmendinger scheint man sich am Ende doch noch versöhnen zu können:

Möglich ist das aber nur, wenn wir alle mitnehmen. Wir dürfen uns nicht nur über die Exzellenz da oben den Kopf zerbrechen, sondern müssen uns auch um die Bildung da unten kümmern.

Abgesehen von der ungünstigen Formulierung „die Bildung da unten“, kann auch dieser Schluss nicht über ihreeinseitige Funktionsbestimmung hinwegtrösten – sie negiert sie auch nicht. Spannend ist nicht nur zu sehen, dass und wie man jetzt auch mit vermeintlich linken progressiven Ideen dem Neoliberalismus (verzeiht diese vulgäre Referenz) verfallen kann. Spannend ist auch, was sich aus dieser Wirtschaftsfixierung noch so alles ergibt: Ein Mangel an Kritik an sog. Praxisnähe und deren Voraussetzungen imWissenschaftssystem; dann natürlich die Ausblendung (möglicher) nichtwirtschaftlicher Gewinne – und negativer Externalitäten – in Kunst, Erziehung, Sport, Gesundheit, Recht, der Persönlichkeitsentwicklung der Studierenden und nicht zuletzt der Wissenschaft selbst, ja und vielleicht sogar in der Politik!; eine, wie ich finde, ungesunde Fixierung auf die Zukunft, die die Gegenwart negiert und die Vergangenheit vergisst.

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Es mag unfair sein, Frau Allmendinger und Herrn Brauner nur an ihrem einen Artikel in der Zeit zu messen – das ist hier auch nicht der Anspruch! Meine Auseinandersetzung gilt eben nur diesen Artikeln, die für mich den Mainstream der Bildungsdiskussion außerhalb der Hochschulen widerspiegeln. Dieses ökonomistische Leitbild ist für eine der modernen Gesellschaft, ja auch der modernen kapitalistischen Gesellschaft mit all ihren bereits bestehenden Ungerechtigkeiten, angemessenen Wissenschafts- und Hochschulpolitik untauglich. Am Ende wird es die funktionale Differenzierung unterminieren, die zumindest in der westlichen Welt halbwegs durchgesetzt ist, und wir haben anhand des real existierenden Sozialismus gesehen, was uns bei Entdifferenzierung blüht. Nur würde diesmal die Wirtschaft über die Politik bestimmen. So würde es auch nichts mit der nächsten Gesellschaft. Und an die Zwangsläufigkeit einer Revolution, wenn der Kapitalismus nur weit genug fortgeschritten sei, glaube ich auch nicht. Dann doch eher eine Rückkehr zum Pauperismus.

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Wird fortgesetzt…

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Teil I: Mehr oder Weniger?

Die Zeit brachte am 11.03. zwei Kommentare zur Studierendenquote, die am Montag auf Zeit Online erschienen und beide auf wunderbare Weise zeigen wie einseitig der Bildungsdiskurs von den meisten Nichtstudenten im Moment geführt wird.

Weniger!

Felix Brauner ist dagegen, dass die Quote angehoben wird. Seine Argumente sind zahlreich: So sei das Bachelorstudium einerseits nicht berufsqualifizierend, andererseits sei das Duale Ausbildungssystem höchst erfolgreich. Und Programme für Wedding Planning und Home and Gardening bräuchten wir hier wirklich nicht. Nur ist das auch gar nicht gemeint und wer Vergleiche zwischen den Bildungssystemem von Deutschland und den USA zieht, muss wissen, dass die amerikanischen Unis solchen Quatsch anbieten, weil sie damit Geld verdienen. Außerdem gibt es bei uns auch noch die VHS. Der Seitenhieb auf ehrgeizige Einzelkindeltern ist in dieser Diskussion als Argument ebenso nicht zulässig. Dabei hat niemand auch nur im entferntesten vor „ein- bis zweijährige Alibistudiengänge auf dem Niveau von Berufsfach- und Fachschulen“ einzuführen, es widerspräche auch unserem System, das er offenbar schon ganz verdrängt hat.

All das würde weder Bildungschancen noch Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen fördern. Abgesehen von seiner schlechten Argumenten, scheint es als würde er zumindest nicht den Sinn des Bildungssystems in der ökonomischen Verwertbarkeit (also Aus-Bildung), sondern auch in der individuellen Bildung sehen. Doch weit gefehlt! Seine Argumente bleiben flach und/oder wirtschaftlich orientiert.

Man bräuchte insgesamt nicht mehr Akademiker, weil einerseits die Unternehmen „Hierarchien abbauen“ und andererseits Forschung und Entwicklung wichtiger werden würden, also eine ausgeglichene Entwicklung. Dazu hätte ich dann doch die einschlägigen Studien zitiert gesehen. Richtig schlimm wird es an folgender Stelle:

Die Studenten sind frustriert, wenn sie nach einem überlangen Bildungs(um)weg schließlich eine Beschäftigung aufnehmen, die aus ihrer Sicht unter ihrem Niveau liegt. Die Hochschulen betreuen eine unverhältnismäßig große Zahl von Studenten, die schon bald ihr Interesse an einer wissenschaftlichen Ausbildung verlieren und nur noch eins wollen: die Universität schnell verlassen.

Hier wird ein Zusammenhang zwischen Abbrecherzahl und angeblich drohender Frustration durch unterwertige Beschäftigung und vorherigem Studienabbruch suggeriert, was nach bisherigem Stand der Physik nicht möglich sein sollte. Ob die Angst davor Studis zum Abbruch bewegen könnte? Oder ganz vom Studium abhält? Sicher nicht mehr als Studiengebühren. Wie gesagt, Studien zum Bedarf an Akademikern werden nicht zitiert.

Nichtgymnasiasten sollte es sogar erschwert werden, einfach so zu studieren, was sie wollen, wenn sie einmal gewisse Qualifikationen erreicht haben (hier wird der Meister genannt). Stattdessen soll bürokratisch festgelegt werden, wer mit welchen Qualifikationen was studieren darf. Einzig innovativ ist die Idee der speziell zugeschnittene Studiengänge für Meister. Ob es dafür genug Nachfrage gäbge und Universitäten das überhaupt leisten können, weiß ich nicht.

Die Prämissen und Folgerungen von Brauner können wie folgt zusammengefasst werden: An (außerwissenschaftlichem) Arbeitsmarkt soll sich orientiert werden, alles soll daher bleiben wie bisher, nur die bürokratische Hürden für Nichtgymnasiasten sollen noch höher werden.

Zum Schluss kommt dann doch noch eine einsichtige Forderung, allerdings nicht ohne (performativen) Widerspruch:

Am besten wäre es freilich, die Universitäten würden die Verberuflichung ihrer Studiengänge zurücknehmen und sich in ihrer Lehre auf das besinnen, wozu sie etabliert wurden, nämlich die Gestaltung und Organisation wissenschaftlicher Bildung.

Den Professoren, zumindest an den regulären Universitäten, würde das sicher gefallen. Auch viele Studierende würden diese Rückbesinnung auf die universitäre „Kernkompetenz“ begrüßen – andere freilich nicht. Aber vielleicht sollten wir an das Denken, was jenseits des Konflikts von Bildung und Ausbildung liegt. Ich glaube nämlich, da gibt es was.

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Wird fortgesetzt…

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