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Posts Tagged ‘Franchise’

Die Zeit hat diese Woche einen Artikel über die britische Supermarktkette Tesco gebracht, der nun online einzusehen ist.

Zwei Aspekte werden dabei in den Fokus gerückt: Die Auswirkungen der Konzentrationsprozesse auf den lokalen Einzelhande und das Stadtbild und die enorme Ausdehnung des Konzerns auf alle Lebensbereiche. Tesco gäbe es nämlich inzwischen alles, von Billigfras bis Biokost, von Kleidung bis zum Girokonto. Und das alles vernetzt und überwacht durch ein Bonussystem mit Kundenkarte, auf der massig persönliche Daten gespeichert sein – mit mehr Kunden als die deutsche Sektion von Pay Pal! Die Briten nähmen das, ebenso wie die totale Überwachung durch Videokameras, Gendatenbank uvm., so einfach hin, weil ihnen die negativen Erfahrungen mit Diktaturen fehlen würden.

Wenn die Briten wirklich so naiv sind, dann haben sie ihren Orwell nicht richtig gelesen.

Tesco passt sich auch geschickt an seine Umgebung an: In ärmeren Stadtteilen mimt es den LIDL, in reicheren das Feinkostfachgeschäft. Und so kommt es, dass sich der Konzern in fast allen Ecken der Insel breit gemacht hat. Die Kette fördert damit die Zerstörung der Innenstädte und des lokalen Einzelhandels. Das kann man beklagen. Auf der anderen Seite wird ja niemand gezwungen bei Tesco einzukaufen – oder etwa doch?

Wenn man sich mit dem Thema auseinandersetzt, bekommt man schnell Probleme mit der Güterabwägung. Das geht soweit, dass man, nicht völlig ohne Grund, den Entscheidungen von Konzernen wie Tesco mehr Legitimität zubilligt als der Politik, da die Verschiebung des Konsums gewissermaßen basisdemokratisch vonstatten, während die Politik nur repräsentiere (wenn überhaupt!). Wie gesagt, es wird ja niemand gezwungen. Außer denen, die nicht bei solchen Ketten kaufen wollen und denen langsam aber sicher die Möglichkeiten ausgehen. Organisierter Besitz von Produktionsmitteln bedeutet hier Veringerung der Wahlmöglichkeiten, an dessen Niedergang eben diese Organisationen weiter wachsen. Wer hat, dem wird gegeben.

Was gern übersehen wird: Der Matthäuseffekt ist ein doppelter. Den großen Konzernen wurde nämlich bereits gegeben. Sie haben allein durch ihre Größe einen Vorteil gegenüber kleinen. Das ist ungefähr so wie mit reichen und armen Kindern. Die einen haben von Anfang an die besseren Voraussetzungen. Man kann versuchen, diese Ungerechtigkeit zumindest im Bildungssystem ein bisschen auszugleichen. Es gibt, anders als bei der Bildung der Kinder, meines Wissens nach so gut wie keine staatliche Politik, die diese Chancenungerechtigkeit zwischen großen Konzernen (i.d.R. Kapitalgesellschaften) und kleinen Einzelhändlern. Das Bauplanungsrecht ist wohl nicht darauf ausgelegt (nicht, dass ich groß Ahnung davon hätte), jedenfall scheint niemand etwas gegen die Verkettung der Innenstädte tun zu wollen . Einzig staatliche Entwicklungsbanken können gezielt kleine und mittelständische Unternehmen Geld zur Verfügung stellen – aber es ist immer noch etwas anderes, als Privatperson einen Kredit aufzunehmen, als als Manager sein mit mehr oder weniger umfangreichem Eigenkapital ausgestatteten Unternehmen zu verschulden. Weniger hat, muss mehr wagen, um zu bekommen. Die Asymmetrie ist und bleibt enorm.

Und: Eine solche Entwicklung ist kaum rückgängig zu machen.

Letztlich leidet auch nicht nur die Vielfalt: Die großen Organisationen bauen gewaltige, zum Teil planwirtschaftliche, Hirarchien auf, in denen selbst das mittlere Management unter die Räder kommen kann. An selbstbestimmtes, oder gar schöpferisches Unternehmertum ist da nicht mehr zu denken. Solche Systeme gibt es auch in Deutschland, man denke nur an LIDL oder die planwirtschaftlichen Vorgaben im Bankensektor. Am Ende hat man die Wahl zwischen Bauplanung und Produktivitätszielen. Welch Ironie!

An der Vielzahl von Schlagworten kann man sehen, wie komplex dieses Thema ist. Und an der relativen Kürze dieses Textes seine Unzulänglichkeit. Bis sich das Bild zusammenfügt, empfehle ich etwas musikalische Lyrik:

Some say you’re troubled boy
Just because you like to destroy
All the things that bring the idiots joy
Well, what’s wrong with a little destruction?

And the Kunst won’t talk to you
Because you kissed StRollox adieu
Because you robbed a supermarket or two
Well, who gives a damn about the prophets of Tesco?

Franz Ferdinand – The Fallen

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Die Franchisekette Subway gilt bei Uninformierten als „gute“ Alternative zu McD, weil sie so neu sind, gesünder, ein grünes Logo haben und es nicht so übel riecht. Das mit dem grünen Logo hat sich ja bald erledigt. Dass bei den Sandwichbelegern Coca Cola zum Menü gereicht wird, dürfte auch schon so manche abgeschreckt haben. Und jetzt gehen auch noch reihenweise Filialbesitzer pleite, weil das Mutterunternehmen sie offenbar absichtlich mit falschen Informationen über Kosten und Marktlage gefüttert hat. Selbstbestimmtheit sieht anders aus. Erinnert irgendwie an die Banken, die ihre Verkäufer Berater unrealistische Zielvorgaben machen (siehe Artikel „Kapitalismus verschärft sich“ in der letztwochenendlichen taz).

Welche Alternativen gibt es zu einer solchen Wirtschaftsweise? Genossenschaften? Syndikate? Open Source Franchising? Oder doch lieber zum Dönermann um die Ecke?

*Update 22.01.10: Zeitartikel verlinkt, wo etwas völlig Zusammenhangloses von der taz  stand.

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