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Posts Tagged ‘Taliban’

Als vorgestern vier handvoll Taliban in Kundus Krieg spielten und ganze 200 Sicherheitskräfte zu ihrer Bekämpfung anrücken mussten, fürchtete ich, nun werden uns aus den „Qualitäts“blättern der Republik wieder Horrorschlagzeilen entgegenstarren, garniert mit dem üblichen Halbwissen und einiger Untergangsstimmung. Doch bisher scheint alles ruhig. Einzig die von mir ansonsten so geschätzte taz titelt Taliban-Terror und gibt sich prophetisch: Völker versteht die Signale. Platter geht es kaum.

Interessant ist, dass eine links-liberale Zeitung wie die taz sich bei außenpolitischen Diskursen mit Argumenten arbeitet, die den Wunsch nach und den Glauben an totale Sicherheit als Prämisse haben.

Die Taliban demonstrieren, dass es in Afghanistan selbst im Machtzentrum keine militärische Sicherheit geben kann.

Na klar.

Dass der Irak in Gewalt versinken wird, darin waren sich Isolationisten, Antiimperialisten, Pazifisten, die Presse und der rechtskonservative (?) Pseudoexperte für bewaffnete Auseinandersetzungen aller Art, Peter Scholl-Latour, sowie überhaupt fast alle einig. Beim Thema Afghanistan sieht das nicht viel anders aus. Nur im Fall Irak gab es tatsächlich Gründe an einer irgendwie gearteten Befriedung des Landes zu zweifeln. Natürlich ist in Afghanistan viel schief gelaufen, aber bis uns das ganze Land um die Ohren fliegt, muss noch Einiges passieren. Sowohl der Irak, als auch die neuerlichen Entwicklungen in Pakistan zeigen: Wenn der politische Wille vorhanden ist, kann man etwas erreichen, auch wenn es Blut, Tränen und Geld kostet. In Afghanistan käme man mit weniger von alledem aus als in jenen Ländern.

Stattdessen bildet sich ein diffuses Amalgam aus korrupter, undemokratischer  Regierung, mangelndem zivilen Engagement, gefallenen Soldaten, Untaten manch lebender Ausgabe und der Unmöglichkeit (die gern als Unfähigkeit beschrieben wird) totale Sicherheit herzustellen, das kontinuierlich die Legitimität des Einsatzes, sowie militärischen Interventionen insgesamt unterläuft.

„Nie wieder Krieg!“ lautet die Parole, mit der man zwei Paradoxien unsichtbar machen will, nämlich, dass man Frieden durch Pazifismus gefährden kann, und, dass man Frieden manchmal mit militärischen Mitteln herbeiführen muss und kann.

Lesenswert gegen den linksrechten Einheitsbrei: Andrea Böhm in der Zeit.

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