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Archive for the ‘Lebenswelt und Sinnesfreuden’ Category

Meike Laaff hat heute in der Onlinetaz einen Artikel (in der Printausgabe habe ich ihn nicht gefunden) über die Gegenwart und Zukunft kreativer Medienarbeit veröffentlicht (oder besser: die taz hat einen Artikel von Meike Laaf…). Ich hoffe nur, sie wird die von ihr gepriesenen Arbeitsbedingungen nie ertragen müssen.

Zentrales Konstrukt ist „Die Marke Ich“. Auf ihr fußt das Geschäftsmodell der medialen Avantgarde – und darauf, dass ständig neue, besondere Ideen für Vertrieb, Verkauf, Produkte und „Selbstmarketing“ erfunden werden. Nicht nur der Inhalt soll jedes Mal neu sein, sondern auch das Format. Zur Ruhe können nur diejenigen kommen, die ihre Nische gefunden haben, wovon das Netz ja eine ganze Menge böte. Spätestens hier wird klar, dass die Autorin den Großteil des Publikums der Massenmedien – und damit auch den Großteil der Leistungsrollen – ausblendet. So analysiert Laaf auch nicht die sich verändernden Strukturen des Mediensystems, sondern beschreibt ausgewählte Einzelschicksale. Das ist fetzig und eine beliebte Möglichkeit zur Reduktion von Komplexität, wird aber dem Problem aber in keiner Weise gerecht. Mehr noch, der Artikel vertritt einen selbstausbeuterischen Individualismus, den man eigentlich mehr mit dem Marktfundamentalismus Angelsächsischer Prägung als dem deutschen Linksliberalismus verbindet. Die dazugehörige Perversion einer Sklaven produzierenden Herrenmoral wird gleich mitimpliziert, wenn den lahmen Nichtavantgardisten Jammerei unterstellt wird. Der Eindruck wird durch penetrante Marketingrhetorik und radikale Personalisierung des Problems (und seiner Lösung) komplettiert.

Gern würde ich mit der Einschätzung abschließen, dass der Artikel keinen Beitrag zur Debatte lieferte; Leider ist nicht auszuschließen, dass ihn Menschen ernst nehmen werden. Immerhin wurde er sechs mal geflattrt.

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Ich habe ja schon überlegt, ob ich aufhöre zu bloggen… und jetzt das:  Obama baut den Überwachungsstaat weiter aus.  Obama! So schlimm ist es also schon.

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Am 26.11. (also in einer Woche) kommt „Die Dunkle Seite der Macht“ in die Läden. Anhören kann man sich das Ganze schon jetzt, umsonst, legal und ohne Malware hier.

Mein erster Eindruck: Poppig. Zu poppig. Deutlich weniger rau als „Goldener Trash“. Aber auch einen Tick politischer („CDU und Du“, „wohin mit den Milliarden“).

Im Pressetext klingt das dann so:

Mit ihrem vierten und bisher facettenreichsten Studioalbum entführen uns die Kölner Anzugpunks mit hemdsärmeligem Charme nun noch tiefer in eine Welt zwischen alltäglichem Abgrund und trotziger Partystimmung.

Erwarten soll man

[…] erfrischend rauhe Songperlen mit Popappeal und Punk im Herzen

Dabei ist der Auftakt mit „Herdplatte an“ nicht unbedingt misslungen, reicht jedoch nicht an „Was wollt ihr alle?“ oder „Selbsthypnose“ heran. Mit „Herr Schlimm“ und „Ekelhaft glücklich“ konnte ich mich erst beim zweiten Hören anfreunden. Wohl, weil ich eine deutlich härtere Gangart erwartet hatte.

Schwere kognitive Dissonanzen verusacht hingegen „Lebenslänglich Beatles“: Hier kritisiert Pop Pop. Zur Erinnerung: „Wir haben Diskoterror und lärmendes Massaker mit dem Zuckerguss des ewigen Popsongs überzogen.“ In der Selbstbeschreibung auf Facebook steht dann auch unter Genre: Indie Pop, Punk, Wave, Trash, Deutschpop, Alternative. Also schon irgendwie Pop, aber dann auch wieder nicht, jedenfalls kein Wohlfühlpop. Wie bei den Beatles? Aha. Angelika Express  schwankt hier zwischen performativem Widerspruch und Unfug. Immerhin fetzt die Gitarre zwischendurch mal Ansatzweise so wie hier oder hier.

Manchmal, aber nur manchmal fühle ich mich gar an die Ärzte erinnert („CDU und Du“). Na vielleicht gibt es dann ja bald ein auch ein Unplugged-Album.

Eindeutige Lichtblicke, die ich bisher ausmachen kann: „Macht blau“, „Die Kanonen von Ehrenfeld“, „Ich klau die Zeit zurück“ (Hamburger Schule, anyone?), und, mich wahrscheinlich zu Unrecht an das erste Album erinnernd: „Schwein aus dem Weltraum“.

Insgesamt ist Tante Angies viertes Studioalbum weniger rau, weniger fetzig und, trotz anderslautender Selbstbeschreibung, weniger Facettenreich als der Vorgänger. Als eigenständiges Album?… kann ich jetzt noch nicht sagen. Die Fortsetzung ist allerdings bereits angekündigt: „Die Dunkle Seite der Macht“ ist nämlich als „Doppelalbum auf Raten angelegt“ – weitere Lieder werden mit der Zeit heruntergeladen werden können.

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Na, da hat der Ratzinger wieder mal was losgelassen:

Even in our own lifetimes we can recall how Britain and her leaders stood against a Nazi tyranny that wished to eradicate God from society and denied our common humanity to many, especially the Jews, who were thought unfit to live.

As we reflect on the sobering lessons of atheist extremism of the 20th century, let us never forget how the exclusion of God, religion and virtue from public life leads ultimately to a truncated vision of man and of society and thus a reductive vision of a person and his destiny.

(Quelle: BBC)

Da braucht man eigentlich gar nicht mehr viel zu schreiben, das steht schon für sich. Den Faschismus, bzw. Nationalsozialismus als atheistischen Extremismus zu bezeichnen, ist wirklich der Gipfel der Unverfrorenheit, selbst, wenn Hitler (und andere) wirklich nicht religiös gewesen wären. Und selbst, wenn Hitler oder Mao oder Stalin wirklich nicht im Namen von Nation, Rasse, oder Sozialismus über die Welt hergefallen wären, hat das immer noch nichts mit dem Atheismus „an sich“ zu tun.

Diese schlimmen Diffamierungsversuche sind allerdings mehr als nur Ausdruck von Ignoranz und Verachtung gegenüber Menschen ohne Religion.  Sie sind auch Teil des Abwehrkampfes der Katholischen Kirche gegen ihren eigenen Niedergang. Da sie sich seit einiger Zeit auf die Toleranz anderer Religionen, selbst des Islams und Judentums, festgelegt hat, kann sie nur noch über den Atheismus so richtig schön herfallen. Sie versucht sich damit auch gegen die Abwanderung in eben jene Richtung zu immunisieren, was ihr zumindest da gelingen könnte, wo ihre Anhänger diesen Hasspredigten folgen und starke soziale Kontrolle auf ihre Umwelt (insbesondere ihre Kinder) ausüben. Anderswo wird sie nur noch mehr Sturm in Form von Austritten ernten.

(via fefe)

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Heute kamen gleich zwei Beiträge online, die ich für sehr lesenswert halte, weil sie die laufende Debatte medienkritisch reflektieren (und das sehr viel eingehender als Die Zeit, über die ich mich neulich so aufgeregt habe).

Zum einen gibt es auf Telepolis ein Interview mit Eren Güvercin, der die Rolle der BILD kommentiert, die Thilo Sarrazin seiner Meinung nach als Sockenpuppe Handpuppe gebraucht um ihre eigene Weltanschauung zu verbreiten. Ich weiß jetzt zwar nicht, woher er seine Informationen hat, aber so ganz unplausibel scheint mir diese These nicht zu sein.

Während BILD also reine Boshaftigkeit, man könnte auch sagen: politische Presse im Stil des 19. Jahrhunderts, unterstellt wird, geht Stefan Niggemeier mit dem Spiegel ins Gericht, der den Sarrazin’schen (und anderen) Unfug erst hochputscht und gleichzeitig seine eigene Rolle in der Produktion von Nachrichten leugnet.

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Diese Woche stand mal wieder ein Artikel auf Seite 1 Der  Zeit (der Die Zeit?), bei dem ich mich wunderte, was das jetzt überhaupt soll. Susanne Gaschke beklagt sich dort unter dem Titel „Politiker, hört die Signale“ über den Zustand der deutschen Politik, die eine pseudowissenschaftliche Einheitsmeinung als Konsens behandelt, sodass man nicht einmal mehr in der CDU-Frauengruppe ordentlich konservativ sein dürfe. Kitas, Windräder, Abschaffung des Dreigliedrigen Schulsystems, alles richtig und wahr und deshalb politisch unangreifbar. Dieser Fortschrittskonsens verschleiere die sozialen Kosten dieser Neuerungen: gefühlte soziale Kälte. Abgesehen davon, dass das kompletter Unfug ist und die Autorin keinerlei Beispiele oder Belege für das total Abdriften der Union in die Sozialdemokratie bringt – wieso muss ich so einen reaktionären Quatsch in Der Zeit lesen? Schon wieder?

So soll denn auch die Beliebtheit von Thilo Sarrazins „Thesen“ durch diese Entwicklung erklärt werden. Als ob Rassismus etwas mit dem Mangel an reaktionären Politikern oder faktischen Reibungen zwischen Religionen oder „Kulturen“ oder „Rassen“ zu tun hätte. Oder warum ist die NPD im Osten so stark, wo es kaum Einwanderer gibt, die mit ihrer genetischen Unterlegenheit die arischen autochthonen Deutschen belästigen könnten?

Zwischen dieser Kausalitätskonstruktion findet Gaschke dann auch noch die Muße zur Medienschelte, der einzige nicht völlig misslungene Teil des Artikels. Quoten- und Auflagendruck, Herdentrieb, Eventjournalismus und die Fixierung die „steilsten Thesen“ würden dazu führen, dass kleine, langsame, aber wichtige Veränderungen (zum Beispiel bei der Integration) nicht mehr wahrgenommen würden. Nichts Neues also, aber immerhin. Man könnte sicher noch mehr finden, etwa den Hang, die rassistsiche und unwahre Propaganda eines Thilo Sarrazin als „umstrittene Thesen“ darzustellen. Oder die krasse Diskrepanz in der Wahrnehmung „islamischer“ und „christlicher“ Morde an Angehörigen. Aber dafür war dann auch kein Platz mehr auf dem Papier.

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